20. Mai 2005
Zwischen Kitsch und Kult: Das Treffen der Star-Wars-Fanclubs
Die Sternenkrieger erobern Nürnberg
Harald Schmidt ahmt in seiner Sendung die Geräusche eines Lichtschwertkampfes nach, Olli Dittrich imitiert Darth Vader auf Stefan Raabs Couch und Radiomoderatoren sprechen häufiger Yoda-Deutsch als der echte Yoda der Filme. Ganz Deutschland scheint seit Tagen im Star Wars-Fieber zu sein und auch in Nürnberg können diese Phänomene beobachtet werden.
Rund um den Kinostart des dritten Teils der Saga, »Die Rache der Sith«, der den Anschluss zu den klassischen Folgen der 70er und 80er bildet, hat der Fan-Club »Star Wars Fans Nürnberg« mit dem Admiral-Kinocenter eine so genannte Fan-Convention organisiert, die noch bis zum 21. Mai andauert. Zu diesem Zweck hat der Kinopalast an der Lorenzkirche feierlich herausgeputzt. An allen Ecken und Enden sind Devotionalien aus den Filmen zu finden, sind Szenen in so genannten Dioramen en miniature nachgebaut und flimmern von Fans gedrehte Fortsetzungen über mehrere Bildschirme.
R2D2 liebt Bier und Schnitzel
All das scheint Kenny Baker allerdings nicht sehr zu beeindrucken. Der kleine Schauspieler hat den Roboter R2D2 in allen sechs Filmen verkörpert und ist zurzeit zu Gast in Nürnberg, um den Fans Rede und Antwort zu stehen. Dabei schwärmt er zunächst von den großen Partys in San Diego und London und wundert sich darüber, dass hier in Nürnberg alles ein wenig kleiner auszufallen scheint. Nach einigen Minuten jedoch stimmen einige Anekdoten von den verschiedenen Drehorten die Fans freundlicher.
So erfahren wir etwa, dass der Darsteller des C3-PO, Anthony Daniels, ein komischer Kerl sei, der mit allen anderen Beteiligten nichts zu tun haben will. Außerdem gibt R2D2-Darsteller Baker zu, dass er deutsches Bier und Schnitzel schon immer geliebt hat. Sein Kostüm liebt er weniger: »Unbequem war es in dieser Blechdose, sie wiegt 80 Pfund und ich nur 70. Ich fühlte mich wie eine Sardine.« Eine ferngesteuerte Kopie des kleinen Roboters wartet auf die Besucher vor dem Tisch, an dem Baker nach der halbstündigen Frage- und Antwort-Show Platz nimmt und Autogramme schreibt. Er fährt laut und ungelenkig umher und erinnert nur rein äußerlich an den starrköpfigen Charakter des echten R2D2.
Hans Peter, Matthias und Stefanie vom Fanclub sorgen für den reibungslosen Ablauf der Autogrammstunden. »Das ist der beste Teil der drei Neuen, definitiv«, finden sie einhellig und strahlen den kleinen Kenny Baker an, der gerade an ihnen vorbeiläuft. Plötzlich herrscht Unruhe, zwei Männer in Kostümen beginnen zu streiten und sich lauthals anzubrüllen. Bevor jedoch allgemeiner Unmut aufkeimt, zeigt sich, dass die beiden eine einstudierte und rasante Lichtschwertkampfszene zum Besten geben, die vor allem die Kinder großäugig staunen lässt.
Zwei Obi-Wan-Kenobis, jung und noch nicht mit Ewan McGregors stolzem Bart versehen, lösen sich aus der Zuschauermenge. Ein Darth-Vader-Pärchen läuft durch die Halle, laut durch die Masken röchelnd. Ein Rebellen-Offizier in Kampfmontur steht vor seinem Bier am Getränkestand, als ob er gerade Kampfpause hätte. Das ist er also, der Star Wars Kosmos, der für wenige Tage in Nürnberg sein buntes und manchmal kitschiges Gesicht zeigt. Die Fans genießen es, unter ihresgleichen zu sein, tauschen Fachkommentare aus und erzählen sich von den neuesten Schnäppchen an den Verkaufsständen. Und sie alle sind sich in einer Sache einig: Mit dem aktuellen Film hat die sechsteilige Weltraum-Saga einen würdigen Abschluss gefunden. (Alexander Otto)
(Mit freundlicher Genehmigung der Nürnberger Zeitung)
